Kreiskultur

 

“Die ersten Kreise bildeten sich um die Feuer unserer Vorfahren. Bis heute ist die Mitte des Kreises ein verbindender Ort an dem wir unsere Unterschiede zu befruchtenden gemeinsamen Bildern zusammenfügen können. Vorraussetzung hierfür ist die Fähigkeit, miteinander statt gegeneinander zu reden.“
– Vivian Dittmar, Begründerin von Be The Change Deutschland

 

In der Kreiskultur geht es darum, dass jeder gesehen und gehört wird und gemeinsam ein Raum geschaffen wird, in dem mehr entstehen kann als die Summe aller Anwesenden. Ein Raum, in dem sich jeder geschützt und getragen fühlt, ein Raum, in dem aus vielen “Ichs“ ein “WIR“ wird. Ein Werkzeug aus der Kreiskultur heißt ‘‘Council‘‘. Im “Council“ geht es darum das aufrichtige Zuhören zu üben und im Gegenzug selber das Geschenk zu empfangen wirklich gehört zu werden. Dies erfüllt das grundlegende Bedürfnis richtig gehört und verstanden zu werden. Beim Mitteilen und Zuhören spielen die Werte der gewaltfreien Kommunikation eine große Rolle. Die gewaltfreie Kommunikation (Abkürzung GFK) ist ein Konzept, das von Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde, doch im Prinzip jeder Art des liebevollen Miteinanders zugrunde liegt. Heute wird es oft ‘‘wertschätzende Kommunikation‘‘ genannt. Es geht darum so miteinander umzugehen, dass wir als Menschen zueinander finden und durch die Kommunikation mehr Vertrauen, Freude und Verbundenheit entsteht. Ganz wichtig dabei ist, dass wir mit unseren Gefühlen und Wahrnehmungen bei uns und unseren Bedürfnissen bleiben, statt als Fokus die Fehlhaltung im Anderen zu suchen oder zu betonen. Durch die gegenseitige Wertschätzung können kreative Möglichkeiten für Kooperationen und Lösungsfindungen bei Konflikten entstehen. Manchmal wird GFK auch als “Sprache des Herzens“ bezeichnet.

Es gibt ein wunderschönes Lied zum Thema GFK mit dem Text von Marshall Rosenberg:

“See me beautiful, look for the best in me,
That’s what I really am and all I want to be
It may take some time
It may be hard to find
But see me beautiful

See me beautiful, each and every day
Could You take a chance?
Could You find a way?
To see me shining through
In every thing I do
And see me beautiful“

Kreise können für Konfliktlösungen benutzt werden, für das gegenseitige Mitteilen, doch auch zum Feiern, für die Heilung oder für Visionen. Im “Wisdom Circle“ z.B. kommt die Gruppe im Kreis zusammen, um sich über neue Erlebnisse, Erkenntnisse oder Erfahrungen z.B. nach Abschluss eines gemeinsamen Projektes auszutauschen. Dabei bekommen besonders Erkenntnisse, die wir außerhalb der rationalen Wahrnehmung erfahren, mehr Raum. Die Gefühlsebene wird angesprochen und aus der Erfahrungen der Individuen kann eine kollektive Gruppenweisheit entstehen.

Im “Foodcircle“ kommt die Gemeinschaft zusammen und bedankt sich für das wundervolle Geschenk des Essens.

Indem wir uns in der Kreiskultur üben und das Miteinander gegenüber dem Konkurrenzdenken vorziehen, tragen wir zu einer “sanften Revolution“ des globalen Bewusstseinswandels bei.

Die Kreiskultur hat viele Parallelen mit dem Begriff “Satsang“ (Sanskrit) aus dem indischen spirituellen Kontext. Satsang bedeutet mit Gleichgesinnten zusammenkommen, um sich selbst zu begegnen. Es setzt sich aus den Worten „Sat“ und „Sang(ha)“ zusammen: “Sat“ bedeutet Wahrheit, des höchsten Selbst. “Sang“ kommt von “Sangha“ und ist ein Begriff für eine Gemeinschaft spirituell Suchender, die durch das gemeinsame Hören, Reden, Nachdenken, meditieren und versenken in die Lehre nach der höchsten Einsicht streben. Ein Satsang ist also ein „Zusammensein in Wahrheit“.